Warum eine „Bitcoin“-Bank keinen Sinn macht

4 Gründe Warum eine „Bitcoin“-Bank keinen Sinn macht

Martin Albert Posted on Dezember 22, 2019    

Eine „Bitcoin“-Bank oder Kryptobank macht keinen Sinn. Meine Erklärung und Begründung beinhaltet genau 4 Punkte:

Bitcoin wurde erfunden um Banken abzuschaffen
Das Geschäftsmodell „Bank“ macht für Kryptowährungen keinen Sinn
Banken sind komplett überreguliert
Banken brauchen keinen Zugriff auf Kundengelder

Die großen „Crypto“-Firmen wie Coinbase, Bitcoin-Suisse etc streben ja gerade alle nur zu einer Bank-Lizenz, um ihre eigene „Krypto-Bank“ zu eröffnen. Aber macht das wirklich Sinn?

Vorgeschichte:

Gehen wir noch einmal zurück in der Geschichte. Warum wurde Bitcoin erfunden? Satoshi Nakamoto hat am 31. Oktober 2008 das berühmte White Paper veröffentlicht. Das Whitepaper beschreibt ein manipulationssicheres, dezentrales Peer-to-Peer-Protokoll, das digitale Transaktionen verfolgen und verifizieren, Doppelausgaben verhindern und eine transparente Aufzeichnung erstellen konnte.

Die Idee war so genial, dass sie für den Nobelpreis nominiert wurde:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bitcoin-Erfinder-Satoshi-Nakamoto-fuer-Wirtschafts-Nobelpreis-2016-nominiert-2912590.html

Grund 1: Bitcoin wurde erfunden um Banken abzuschaffen

Und die Idee von „damals“ war es eben genau eine Währung zu erschaffen, die komplett dezentral die Werteinheiten in einem verteilen ledger (der Blockchain) handhabt und dass gerade eben keine zentrale Einheit (wie eine Bank) benötigt um Zahlungen abzuwickeln oder zu beaufsichtigen. Werttransfers sollen explizit Peer-to-Peer ablaufen.

Die Idee von Satoshi ist das GENAUE GEGENTEIL von dem was eine Bank tut. Eine Bank nimmt das Geld in Form von Einlagen an, verwaltet diese, spekuliert mit diesen und hat generell die Bestände nur auf dem Papier.

Eine Bitcoin-Bank würde also genau dieses Prinzip von Satoshi wieder zunichte machten. Die Kunden der Bitcoin Bank würde ihre Kryptowährungen der Bank übergeben, die diese dann beaufsichtigt und damit Zahlungen abwickelt, im Kundenauftrag. DAS MACHT KEINEN SINN!!!

Grund 2: Das Geschäftsmodell „Bank“ macht bei Kryptowährungen keinen Sinn

Banken sind Unternehmen. Keine echten Unternehmen des freien Marktes natürlich, denn Banken sind bis zum Anschlag reguliert und der Markt ist alles andere als „offen“, wenn man mindestens 5 Millionen Eigenkapital braucht, um überhaupt mal eine Lizenz (= Erlaubnis der Regierung) zu bekommen eine Betreiben zu dürfen. Aber immerhin, Banken sind zumindest noch sowas ähnliches wie Unternehmen, das heisst sie müssen Gewinn erwirtschaften.

Das klassische Geschftsmodell der Bank ist dabei natürlich sich viel Geld von den Kunden zu leihen, mit deren Geld herumzuspekulieren und mehrfach and Kreditnehmer gegen Sicherheiten zu verleihen. Dieses „Fractional Reserve Banking“ ist normalerweise die Lizenz zum Geld drucken. Wenn ich hundertmal soviel Geld verleihen kann, wie ich eigentlich habe, nur noch mit virtuellen Zahlen und „Forderungen“ hantiere und mit der Fristentransformation Zinsen generieren kann, kann eigentlich nicht viel schief gehen.

ABER: Mit Kryptowährungen ist das anders. Der Kunde erwartet dass die eingezahlten Kryptowährungen auch wirklich da sind. Alles andere wird sofort als Betrug betitelt, was es ja auch eigentlich ist.

Anders gesagt: ES MACHT KEINEN SINN ein Einlagengeschäft mit Kryptowährungen veranstalten zu wollen. Kunden würden den „Bitcoin-Banken“ nicht erlauben mit ihrem Geld herumzuspekulieren, es sei denn es wird explizit und separat vertraglich vereinbart als expliziter Kredit. Dank der Volatitlität von Krypto ist aber auch das eher schwierig.

Grund 3: Banken sind komplett überreguliert

Der letzte Grund ist so offensichtlich wie banal: Banken sind dermassen komplett überreguliert, dass Krypto in diesem Geschäftsbereich keinen Sinn ergibt.

Banken sind regulierte Finanzinstitute. Das bedeutet dass sie jeden Kunden im Detail verifizieren müssen, sie müssen die Geldherkunft abklären und Geldwäsche bekämpfen etc. Das bedeutet konkret, dass mit Krypto, selbst wenn man den Versuch unternehmen möchte vollständig Compliant zu sein, man früher oder später an Grenzen stösst.

Die meisten Nutzer haben ihre Coins entweder selbst errechnet und können das nicht mehr nachweisen. Andere haben 2012 auf Mt.Gox oder einer anderen nicht mehr existenten Bitcoin Börse coins gekauft und haben keinerlei Nachweise mehr

Andere Nutzer haben im Peer-to-Peer Handel auf localbitcoins.com am Bahnhof gegen Bargeld getauscht oder an einem „No-KYC“ ATM vor zig Jahren Coins erworben.

Die Idee von Bitcoin war eben gerade, dass man ungestört Transaktionen abwicklen kann. Jetzt auf einen Schlag wollen „Bitcoin-Banken“ wieder Nachweise und Zettelwirtschaft haben. Das ist faktisch unmöglich und die Bitcoin-Compliance funktioniert über die Blockchain. Bankbestätigungen und sonstige „offizielle“ Nachweise gibt es in der Regel nicht.

Und diverse Auflagen und Gesetze sind bei Krypto garnicht kontrollierbar / verhinderbar. Woher weiss die Bank denn, wohin Kryptowährungen am Ende verschickt werden? Ob nicht ein Nutzer doch an einen Empfänger in Sudan oder Nordkorea versendet? Die Idee von Kryptowährungen ist, dass keiner ausgeschlossen werden KANN. Das Kollidiert komplett mit den Regulatorischen Auflagen der Empfängerkontrolle und Transaktionsblockade.

Wenn also eine wie auch immer geartete „Bitcoin-Bank“ Geschäfte mit Kryptowährungen machen will, dann MACHT DAS KEINEN SINN. Einfach deshalb weil die Compliance-Anforderungen schlichtweg nicht zueinander kompatibel sind. ENTWEDER Blockchain ODER REGULATED BANKING. Beides zusammen KANN nicht funktionieren.

  1. Grund: Banken brauchen keinen Zugriff auf Kundengelder

Eine Banklizenz für Kryptobanken, bei denen die Bank die Kontrolle über die Kryptowährungen der Kunden übernimmt und damit Einlagegeschäft betreiben will MACHT KEINEN SINN.

Im FIAT-Geld Bereich ist dies selbstverständlich: Die Bank hat die volle Kontrolle über das Geld der Kunden und nur die Bank kann Zahlungen abwickeln, zu anderen Banken. Im FIAT Bereich macht es keinen Sinn, dass jeder Kunde selbst online-Transfers an andere Personen macht, da eine Zentralpartei benötigt wird, die die Guthaben überprüft und keiner schummelt.

ABER: Im Kryptobereich übernimmt die Blockchain diese Rolle. Die Bank wird nicht mehr gebraucht. Ich kann also sämtliche Transaktionen selbst handhaben. Wozu sollte ich dann also noch meine Krypto-Bank Zugriff auf mein Geld geben? Das macht keinen Sinn.

Alle Institute können ganz normal nutzerseitig verschlüsselte Wallets betreiben, bei der der Nutzer sein Geld selbst kontrolliert. Die „Bank“ die dann keine mehr sein muss, übernimmt dann nur die Rolle der technischen Abwicklung. Kontrolle zu haben braucht sie aber nicht.

Genial verwirklicht wurde das übrigens auf https://www.bitalo.de. Bitalo ist KEINE Bank, sondern lediglich ein vollständig reguliertes Institut, das KEINEN Zugriff auf die Kundengelder braucht und hat. Bitalo hilft lediglich bei der technischen Verwaltung, so dass dies ohne großes technisches Know-how für den Kunden möglich ist. Transaktionen werden ja ohnehin über die Blockchain abgewickelt.

Wohin die Reise also geht ist noch ungewiss. Tatsache ist die Big Player der Szene bereiten sich auf die Vollbanklizenz vor und die ersten Teilnehmer wie Seba ( https://www.seba.swiss/ ) haben das „Ziel“ schon erreicht. Sinn macht es meiner Meinung nach jedoch nicht.

Weil Dein Geld Dir gehört. Gib niemandem sonst die Kontrolle!

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